Zunächst: Nichts läge mir ferner, als hier regelmässig über Partei-interne Diskussionen zu schreiben - das können die Kollegen von der politischen Konkurrenz sowieso besser (und medienwirksamer). Aber nach der heutigen Delegiertenversammlung der SP der Stadt Bern möchte ich doch* ein paar Worte über ein oberflächlich völlig nebensächliches Thema verlieren: Die Gestaltung der Wahlliste für den Stadtrat. Und weshalb es eben doch nicht so nebensächlich ist…
Seit längerer Zeit ist es bei der SP selbstverständlich, Frauen in der Politik zu fördern. Das ist gut, denn Frauen sind in der Politik allgemein immer noch untervertreten. In der Stadt Bern haben wir bei der SP die Wahllisten so gestaltet, dass zuerst die Kandidierenden der Juso, dann die bisherigen Frauen, dann die bisherigen Männer, dann die neuen Frauen, dann die neuen Männer aufgeführt werden. Ist ja klar: man will die Jungen, die Bisherigen und eben die Frauen hervorheben. Bei den städtischen Wahlen 2004 wurden nun Frauen allgemein bei der SP viel problemloser gewählt als Männer.
Offenbar ist also das Ziel erreicht: bei der SP ist es inzwischen einfacher für Frauen, gewählt zu werden. Zusammen mit meiner Mitkandidatin Lea Kusano (notabene eine sehr gradlinige Frau in Sachen Gleichstellungsfragen) habe ich nun die Frage gestellt, ob vor diesem Hintergrund unsere Listengestaltung noch zeitgemäss ist. Haben wir denn nicht in der SP die Gleichstellung erreicht und könnten nun eine ganz “normale” gemischte Liste präsentieren?
Die Mehrheit der heute anwesenden Personen war nicht dieser Meinung. Wie dies wirkt, wird sich noch weisen. Ich jedenfalls gehöre zu einer Generation, die mit einer gewissen Selbstverständlichkeit mit dem Ziel der Gleichstellung umgeht (schliesslich mussten wir ja auch nicht mehr für das Frauenstimmrecht kämpfen). Für mich ist es etwas altbacken, Gleichstellung als Thema einfach mit Frauenförderung gleichzusetzen. Diese Zeiten sind für viele meiner Generation vorbei. Für mich gilt das Ziel der gleichen Chancen für alle - und da sind Unterschiede beim familiären, bildungs- und kulturmässigen Hintergrund von ebenso bedeutender Wirkung (wenn nicht bedeutender) wie das Geschlecht. Wenn wir uns Chancengleichheit aufs Banner schreiben, dann erhält Gleichstellung eine viel breitere Bedeutung - und damit wird Gleichstellung ganz legitim auch zu einem Männerthema. Lea hat mir heute gesagt, wir Männer müssten halt auch mitmischen. Ich werde mich daran halten.
*Der Bund hat übrigens die Diskussion an der DV auch kurz kommentiert.
